Lebendiger Boden durch Mulch

In der Natur gibt es keinen gesunden unbedeckten Boden. Sobald freie Flächen auftauchen – z.B. nach einem Waldbrand – kommen Pionierpflanzen und bedecken den Boden schnell wieder. Die Pflanzen tragen mit ihren Wurzeln zur Verwitterung des Unterbodens und zur Entstehung eines fruchtbaren, humusreichen Bodens bei. Natürliche Spreu wie Laub bietet Futter für das Bodenleben.
In Gärten und auf Äckern ist es leider oft anders: Zwischen frisch gepflanztem Gemüse oder während des Winters – immer wieder gibt es lange Zeiten, in denen Boden unbedeckt und ungeschützt daliegt. Dabei ist nackter Boden sehr anfällig für Erosion durch Wind und Regen. Außerdem machen stärkere Temperaturschwankungen sowie Austrocknung dem Bodenleben zu schaffen. Ganz anders ist das bei gemulchtem Boden: Zahlreiche Studien belegen, dass die Zusammensetzung des Bodenlebens unter Mulch dem natürlicher Böden ähnelt und sich Mulch beispielsweise sehr positiv auf die Entwicklung der Regenwurmpopulation auswirkt. Diese wiederum erhöht das Wasseraufnahmevermögen und die -speicherkapazität des Bodens. Außerdem wird durch die Zersetzung des Mulchmaterials zusätzliche organische Substanz in den Boden eingebracht. Also denkt über Mulch nach, wenn euer Boden nicht vollständig bewachsen ist!

Mulchen - so geht's

Mulchen könnt ihr mit allen möglichen organischen Materialien, die in eurem Garten anfallen. Wichtig ist, dass ihr euch darüber im Klaren seid, welche Effekte die unterschiedlichen Ausgangsstoffe auf den Boden und eure Pflanzen haben. Wir arbeiten gerne mit mehreren Schichten. Z.B. verteilen wir nährstoffreichen Kompost oder Schafwolle auf der Beetoberfläche und decken dann alles mit einem Mulchmaterial ab, das vor allem dazu dient, die Feuchtigkeit zu halten und die Zersetzung der unteren Schicht zu begünstigen.

Hier findet ihr eine Übersicht mit Mulchmaterialien, die wir gerne im Gemüsegarten verwenden:

Rasenschnitt

Häufig reichlich vorhanden – wenn nicht in eurem Garten, dann bestimmt in den Gärten eurer Nachbar*innen. Reich an Stickstoff, hat einen direkten Düngeeffekt und zersetzt sich schnell. Sollte direkt nach dem Mähen verteilt werden und keine Samen enthalten. Je nach Witterung und Boden darf die Mulchschicht unterschiedlich dick sein.

Heu

Ergibt beständige Mulchschichten und hat einen hohen Kohlenstoffgehalt. Bei Starkzehrern daher mit Kompost oder Schafwolle kombinieren. Oft sind Grassamen ein Problem.

Stroh

Enthält viel Kohlenstoff und wenig Stickstoff; bietet sich v.a. in Kombination mit Kompost und oder Schafwolle an. Das Stroh sollte nicht mit Pestiziden behandelt sein.

Gemüsereste

Auch Möhrengrün, Rote Bete Blätter, Kohlblätter usw. können zum Mulchen verwendet – oder aufgegessen! – werden.

Laub

Eignet sich besonders zur Abdeckung über den Winter, wenn es zur Aussaat von Gründüngungen schon zu spät im Jahr ist. Achtet darauf, kein Eichen- und Walnusslaub zu verwenden, da die meisten Gemüsepflanzen die darin enthaltende Gerbsäure schlecht vertragen.

Schafwolle

Sehr reich an Stickstoff – ähnlich wie Hornspäne, aber aus artgerechter Tierhaltung erhältlich. Da Wolle Feuchtigkeit zur Zersetzung braucht, muss sie abgedeckt werden, wenn ein Düngeeffekt erwünscht ist.

Abgemähte Gründüngungen

Ergeben je nach Zusammensetzung Mulchmaterial mit unterschiedlichen Eigenschaften. Weiche Pflanzenteile enthalten viel Stickstoff, holzige Stängel sind reich an Kohlenstoff (ähnlich wie Stroh oder Heu).