Unterschiede zwischen Hybriden (F1) und samenfesten Sorten

Seit etwa 100 Jahren gilt die Hybridzüchtung als eine der wichtigsten Methoden der Pflanzenzüchtung. Hierbei werden zunächst zwei Elternlinien über mehrere Generationen durch Inzucht vereinheitlicht und damit reinerbig gemacht, um sie daraufhin miteinander zu kreuzen. Die Verbindung der beiden zuvor in ihren Erbanlagen vereinseitigten Pflanzen führt bei einigen Arten zu erhöhter Vitalität, und die Pflanzen übertreffen ihre Eltern in Eigenschaften wie Wuchsfreude und Ertrag (sog. Heterosis-Effekt). Diese meist sehr homogenen Pflanzen, die aus der Kreuzung der beiden reinerbigen Elternpflanzen hervorgegangen sind, werden als Hybriden bezeichnet.

Der große Haken an der Sache: Hybriden können zwar nachgebaut, also vermehrt werden, doch sind ihre Nachkommen in ihren Eigenschaften nicht stabil. Das bedeutet, dass alle Bäuer*innen, die Hybriden anbauen wollen, das Saatgut jedes Jahr neu kaufen müssen und damit die Abhängigkeit von Saatgutunternehmen extrem steigt. Dadurch, dass die Hybriden nicht Jahr für Jahr auf den Feldern vermehrt werden, können sie sich auch nicht an Umweltveränderungen wie z. B. den Klimawandel anpassen. Und während die Homogenität der Hybriden für viele Formen des eher großflächigen Erwerbsanbaus vorteilhaft ist, machen im Hausgarten vielfältige Sorten mit großen Erntefenstern oft mehr Spaß. Aus all diesen Gründen empfehlen wir euch die Nutzung von samenfesten Sorten.

Als ›samenfest‹ werden Sorten beschrieben, die nachbaubar sind und aus deren Saatgut Pflanzen wachsen, die die gleichen – oder sehr ähnliche, für die Sorte typische Eigenschaften – wie ihre Elternpflanzen haben. Die Züchtung samenfester Sorten wurde seit der Entdeckung der Hybridzüchtung Anfang des 20. Jahrhunderts (KW 13) bei vielen Arten und Sorten stark vernachlässigt und erst in den 1970er-Jahren von einigen Ökozüchter*innen wieder »ausgegraben«. Doch trotz großer Erfolge hinkt die Züchtung samenfester Sorten der Hybridzüchtung noch Jahrzehnte (und viele Euro Züchtungsfinanzierung) hinterher. Bei vielen Gemüsen und manchen Getreiden liegt der Anteil der samenfesten Sorten im Anbau nur noch bei wenigen Prozent, während Hybriden oder gar CMS-Hybriden immer weiter auf dem Vormarsch sind. Umso wichtiger ist es, dass wir samenfeste Sorten anbauen und diese – wo es uns möglich ist und Spaß macht – selbst vermehren. Das lässt uns spannende Sorten entdecken, bringt Vielfalt in den Garten und macht uns unabhängiger von Saatgutkonzernen.