Wenn es um Lebensräume für Insekten geht, werden häufig Gartenelemente wie Hecken, Blühstreifen, Feuchtbiotope, Streuobst und Magerwiesen in den Blick genommen. Keine Frage: Diese Orte sind
wichtige Habitate. Doch auch unsere Gemüseflächen können zu einem lebendigen Garten beitragen – ganz besonders, wenn wir die kleinen Tierchen auch im Nutzgarten ständig im Hinterkopf haben und
unsere Praxis auf sie abstimmen. Die Produktion von Lebensmitteln und die Förderung der Artenvielfalt können Hand in Hand gehen.
Wie können wir im Gemüsegarten die Qualitäten von insektenreichen Lebensräumen nachahmen? Was können wir von typischen Insektenhabitaten für den Nutzgarten lernen? Darum gehts in diesem Text, den
wir im taschenGARTEN 2025 veröffentlicht haben:
In den vergangenen Jahren hat sich in Deutschland der Trend ausgebreitet, Vorgärten als Steinwüsten zu gestalten: Mit Schotter, Kies, Geröll oder Split großflächig aufgefüllte Flächen, darunter
Vlies oder Plastikfolie, damit kein Kraut durchwächst. Das Versprechen eines pflegeleichten Gartens erfüllt sich dabei jedoch meist nur in den ersten Jahren: Mit der Zeit fallen Blätter auf die
Steine, die einen guten Nährboden für allerlei Gewächs bilden, sofern sie nicht mühsam (oder mit Herbiziden) entfernt werden. Zusätzlich zum Pflegeaufwand bringen die Steinwüsten viele weitere
Nachteile mit sich: Sie heizen sich im Sommer stark auf und tragen damit zur weiteren Überhitzung der Umgebung bei. Auch das Bodenleben unter der Folie wird stark beeinträchtigt. Wird bei der
Anlage gar eine wasserdichte Folie verwendet, verdient ein solcher »Garten« diesen Namen nicht mehr, da er als versiegelte Fläche betrachtet werden muss. Und nicht zuletzt bieten diese
Steinwüsten keinen Lebensraum oder Nahrung für Insekten und weitere Tiere.
Nicht zu verwechseln sind solche Anlagen mit Steingärten – also »echte« Gärten, die umsichtig mit Pflanzen angelegt werden, die sehr magere, gut durchlässige und warm-trockene Standorte
benötigen. Solche Gärten, womöglich ergänzt um Trockenmauern und Totholzhaufen, bieten Insekten, Eidechsen und weiteren Tieren tolle Habitate.
Geeignete insektenfreundliche Pflanzen für einen Steingarten sind beispielsweise diverse Glockenblumen-Arten, Karthäusernelke, Moschusmalve, Echter Baldrian, Gelber Lerchensporn, Scharfer
Mauerpfeffer, Steinquendel, Felsen-Fetthenne und Echter Natternkopf.
Die Obstblüte gehört zu den wichtigsten Nahrungsquellen vieler Insekten im Frühjahr, wenn sonst noch nicht allzu viel blüht. Fast 40 Wildbienenarten, Honigbienen, Schwebfliegen und viele weitere
Insekten sammeln Pollen und Nektar in den Blüten von Kirschen, Birnen, Äpfeln, Quitten, Pfirsichen, Aprikosen, Zwetschgen, Pflaumen, Mirabellen und ihren Verwandten. Aber nicht nur die Blüten
nähren die Insekten: Die Blätter von Apfel- und Birnbaum z. B. dienen als Futter für über 60 Schmetterlingsraupen, die Falter und unzählige weitere Insekten bedienen sich am Fallobst. Und die
sich in den Obstbäumen aufhaltenden Blattläuse sind für die Larven vieler Schwebfliegenarten ein Gaumenschmaus.
Auch Wildobst wie Schlehen, Kornelkirschen, Berberitzen und Ebereschen sowie Beerenobst mit Brombeeren, Himbeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Heidelbeeren etc. sind zentrale Nahrungslieferanten
für Insekten. Die markhaltigen Stängel von Brombeeren und Himbeeren bieten zudem vielen Wildbienenarten einen Nistplatz (tG 2022, KW 43).
Mit der Ergänzung eures Gemüsegartens um ein paar Obstbäume oder -sträucher bekommt ihr also nicht nur leckeres Obst für euch, sondern schafft auch tolle Futterquellen für Insekten und weitere
Tiere!
Zum Weiterlesen:
Der taschenGARTEN 2023 beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Obstvielfalt.
