von Paula Polak
Mit Wildpflanzen kann man nichts falsch machen: Alle in der jeweiligen Region heimischen Pflanzen sind für irgendwelche Insekten wertvoll. Es gilt die 10er-Regel: Jede Wildpflanze versorgt
zumindest zehn Tiere. Es gibt sogar Spitzenkandidaten, die viel mehr versorgen. Unter den Gehölzen sind dies z. B. die Sal-Weide mit über 200 Arten von Besuchern, dahinter folgen der Weißdorn mit
160, die Schlehe mit 140, die Haselnuss mit 113, Brombeere und Himbeere mit je über 80 und die Eberesche mit über 70 Blütenbesuchern.
Star unter den Stauden ist die nicht immer beliebte Brennnessel. Ihr statten 110 Arten einen Besuch ab. Dahinter folgen die verschiedenen Königskerzen mit 90 Besuchern, Dost, Hornklee, Wasserdost
und Natternkopf.
Es ist schwierig, aus den vielen wunderbaren heimischen Wildpflanzen Lieblinge zu wählen, aber ein paar stechen doch hervor. Für frische bis feuchte Standorte muss es einfach der Blutweiderich sein. Die prächtige Hochstaude bringt es gut auf 1,5 Meter, blüht leuchtend pink und ausdauernd von Juli bis Ende September und ist ein Insektenmagnet. Beliebt sind die Blüten bei Bienen und Hummeln, die Blätter zählen zur Leibspeise von Schmetterlingsraupen, z.B. der Raupe des Mittleren Weinschwärmers. Die harten Stängel dürfen über den Winter stehen bleiben, die Samen werden gerne von Vögeln gefressen, z.B. Distelfinken und sogar vom Wintergoldhähnchen. Schön kombiniert wird der Blutweiderich mit anderen Hochstauden, z.B. Mädesüß, Wasserdost und Eibisch.
Auch für trockene, sonnige Bereiche im Garten finden sich Pflanzen, die mit diesen Bedingungen gut leben können. Dafür haben sie verschiedene Strategien entwickelt, z.B. silbrige Blätter, die Sonnenstrahlen reflektieren, behaarte Blätter, die gut isolieren, oder dickfleischige, wasserspeichernde Blätter. Oder auch kompakten Wuchs und Wurzeln, die tief in den Boden in wasserführende Schichten reichen. Im sonnig-trockenen Beet pflanzen wir gern die prächtige Kartäusernelke, deren schmale, grasartige Blätter auch eine Anpassung an den sonnigen Standort sind. Nelkengewächse zählen zu den Lieblingspflanzen von Faltern, besonders des Zitronenfalters. Seine Raupe braucht aber Gehölze als Futterpflanzen, nämlich Faulbaum und Kreuzdorn. Für einen der beiden findet sich sicher noch ein Plätzchen in der Hecke. Zur leuchtend rosa Nelke pflanzen wir gerne himmelblaue Wegwarte und gelben Hornklee. Ein Fest für Augen und Blütenbesucher.
Steinquendel (Calamintha nepeta) kommt erst einmal unscheinbar daher. Doch bei Berührung verströmt das 10 bis 50 cm hohe Kraut einen intensiven, an Minze erinnernden Duft – kein Wunder, ist er
doch ein heimischer Verwandter der Bergminze! Im Sommer entfaltet die Pflanze unzählige filigrane, weißliche, blaue oder violette Lippenblüten. Diese ziehen um die 40 Wildbienenarten an, und auch
Schwebfliegen, Wespen und Honigbienen finden im Steinquendel eine attraktive Nahrungsquelle. Und nicht zuletzt könnt ihr euch aus den Blättern einen Tee zubereiten.
Die Pflanze mag tendenziell sandige, trockenere und sonnige/halbschattige Standorte, ist also beispielsweise für einen insektenfreundlichen Steingarten geeignet. Aber auch auf sonnig-trockenen
Kalk-Lehm-Standorten gedeiht der Steinquendel problemlos, sofern diese keine winterliche Staunässe aufweisen.
Der wunderschöne Natternkopf ist euch vielleicht schon ein mal am Wegesrand begegnet, denn er mag am liebsten eher karge und trockene Standorte. Doch glücklicherweise zeigt er sich flexibel und
wächst auch im mit Nährstoffen besser versorgten Garten.
Mit ihm können wir wahrlich ein blaues Wunder erleben: Die zahlreichen anfangs rosalila angehauchten Blüten verfärben sich bei vollständiger Öffnung tiefblau und bieten reichlich Nektar. Während
seiner langen Blütezeit von Mai bis Oktober wird der Natternkopf daher von verschiedensten Insekten wie Schwebfliegen, Hummeln, Tag- und Nachtfaltern sowie Honig- und Wildbienen besucht. Die
Natternkopf-Mauernbiene und die Fels-Natternkopfbiene sind sogar so sehr auf ihn spezialisiert, dass sie nur dort leben, wo auch er lebt.
Der Natternkopf wird 25 bis 100 Zentimeter groß – überirdisch, wohlgemerkt! Denn unterirdisch bildet er bis zu zwei Meter lange Wurzeln aus, mit denen er sich über lange Trockenperioden hinweg
mit Wasser versorgen kann. Auch in den heißer und trockener werdenden Sommern der Zukunft werden wir ihn daher vermutlich weiter bewundern können. Natternkopf kann von März bis Mai vorgezogen
oder im Freiland gesät werden.
Schwarze Königskerze: Futterpflanze und Nistplatz
Die Schwarze Königskerze (Verbascum nigrum) ist mit einem aufrechten, unverzweigten (eben kerzenartigen) Wuchs von 50 bis zu 120 cm etwas kleiner als ihre Verwandte, die Großblütige Königskerze.
Ihre gelb leuchtenden Blüten sind mit auffällig violett behaarten Staubfäden und orangenen Staubbeuteln geschmückt. Die zwei- bis mehrjährige Staude ist in Mitteleuropa heimisch und fühlt sich an
eher mageren, sonnigen Standorten wohl. Die Blüten werden von Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlingen, Käfern und Fliegen besucht. Diverse Schmetterlingsraupen ernähren sich von den Blättern der
Schwarzen Königskerze, darunter die Raupe eines Nachtfalters, des Königskerzen-Mönchs, die nahezu ausschließlich an Königskerzenarten frisst.
Im Jahr nach der Blüte nutzen einige Wildbienen die vertrockneten, markhaltigen Stängel der Königskerze als Nistplatz. Die Nachkommen dieser Bienen schlüpfen wiederum erst im Jahr danach. Wenn
ihr diesen Bienen einen Nistplatz bieten wollt, müsst ihr die Königskerzen-Stängel also nach der Blüte noch zwei Jahre (!) stehen lassen. Oder aber ihr schneidet sie ab, entfernt den »Kopf«
(Fruchtstand) der Pflanze und befestigt die Stängel (einzeln, nicht gebündelt) mit einem Bindfaden in vertikaler Ausrichtung an eurem Balkon, einem Zaun oder anderen geeigneten, vertikalen
Strukturen.
Die Internetseite von Wildbienenexperte Paul Westrich zeigt vielfältige Möglichkeiten zur Verbesserung von Nistplätzen für Wildbienen. Unter diesem Link behandelt er die Förderung der Bewohner
markhaltiger Stängel:
https://www.wildbienen.info/artenschutz/nisthilfen_03.php
Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörten Ackerwildkräuter in einer großen Vielfalt in nahezu jedes Getreidefeld, wie Acker-Frauenmantel oder Acker-Vergissmeinnicht. Von ungefähr 350
Ackerwildkrautarten sind nur etwa 20 wirklich problematisch im Getreideanbau, indem sie den Ertrag reduzieren oder die Ernte erschweren. Die anderen Arten sind meist eher kleinwüchsig oder haben
nur geringe Ansprüche, sodass sie nicht mit den Nutzpflanzen um Licht, Wasser oder Nährstoffe konkurrieren.
Doch durch intensive Bewirtschaftung, starke Düngung und großflächigen Herbizideinsatz sind über ein Drittel der Arten bedroht oder schon ausgestorben; pro Acker werden heute im Schnitt nur 30 %
der Arten gezählt, die 1950 noch zu finden waren. Mittlerweile gehören die Pflanzengesellschaften der Ackerwildkräuter zu den am stärksten gefährdeten in Mitteleuropa. Diese Wildkräuter jedoch
sind wertvolle Nahrungspflanzen für viele Insekten, die in einem Getreidefeld ansonsten keine Nahrung finden. Beispielsweise ist die Raupe des Kleinen Perlmutterfalters auf das
Acker-Stiefmütterchen und gleich mehrere Wildbienen sind auf den Venuskamm spezialisiert.
Ökologisch bewirtschaftete Äcker, auf denen keine Herbizide ausgebracht werden, bieten wertvolle Refugien für Ackerwildkräuter und die von ihnen lebenden Insekten. Natürlich könnt ihr viele
Ackerwildkräuter, wie Ackerrittersporn, Rundblättriges Hasenohr oder Kornblumen auch gezielt in eurem Garten anbauen!
